Berlin (pag) – Die Frage, ob die Notaufnahmen in Deutschland permanent überlastet sind, beschäftigt Fachkreise seit geraumer Zeit. Eine neue Antwort liefert die aktuelle Auswertung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi). Demnach behandeln die Notaufnahmen nur 1,7 Patienten pro Stunde. Zum Vergleich: In England sind es laut Zi 11, in Dänemark 10 Patienten. 

Nur in den USA herrschten mit 2,3 Patienten pro Stunde ähnliche Verhältnisse wie hierzulande. Die Erkenntnis im amerikanischen Raum sei, dass dem Klinikpersonal durch die wenigen Behandlungsfälle Erfahrung und Routine fehle. Die Folge: Eine um bis zu 50 Prozent höhere Sterblichkeit. „Wenn es um Leben und Tod geht, ist die Versorgung in den großen Notaufnahmen erheblich besser“, meinen die Zi-Wissenschaftler. In die Studie sind Abrechnungsdaten von 13 Kassenärztlichen Vereinigungen eingeflossen. In kleineren mangele es wie in den USA an Erfahrung und auch an der nötigen Personal- und Technikausstattung. In Deutschland behandelten nur 30 Prozent der Notaufnahmen mehr als zwei Patienten pro Stunde. Etwa ein Fünftel hätte eine Auslastung von über fünf Patienten pro Stunde, bei einem weiteren Fünftel liege die mittlere Auslastung dagegen unter 0,4. Die Autoren fordern daher einen deutlichen Konzentrationsprozess in der Notfallversorgung.

„Es liegt völlig neben der Realität, auf die Idee zu kommen, dass es bei allen Notfallpatienten jedes Mal um Leben und Tod geht“, versucht Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, das Argument der Patientengefährdung zu entkräften. Echte Notfälle kämen ohnehin über das Rettungssystem und über die Notfallambulanzen in die stationäre Behandlung. Zudem trage laut Baum der Bereitschaftsdienst eine Mitschuld daran, dass so viele Patienten in Notaufnahmen landeten. „Würde der ambulante Bereitschaftsdienst durch die niedergelassenen Ärzte funktionieren, müssten nicht zehn Millionen Patienten die Kliniken zu ambulanten Notfallbehandlungen aufsuchen.“ Davon könnten laut Baum drei Millionen Fälle problemlos in Notfallpraxen behandelt werden.

Die Studie gibt es unter: https://www.zi.de/cms/fileadmin/images/content/Publikationen/Zi-Paper_11-2017_Notfallversorgung.pdf

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