Berlin (pag) – Hebammen sollen künftig in einem dualen Studium ausgebildet werden – Das sieht ein Gesetzentwurf vor. Bei vielen Experten sorgt dieses Vorhaben für Zustimmung, wie in einer öffentlichen Anhörung des Ausschusses für Gesundheit deutlich wird.

Eine bessere Qualität in der Hebammenausbildung führe zu mehr Qualität in der Versorgung, sagt die Einzelsachverständige Prof. Melita Grieshop von der Evangelischen Hochschule Berlin. Sie regt an, die Gesamtverantwortung für den Studiengang stärker bei den Hochschulen anzusiedeln. Zudem sollten diese auch die praktischen Ausbildungsteile planen und koordinieren. Diese Ansicht teilt Friederike Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein vom Wissenschaftsrat: Sie betont, dass die Hochschulen zuständig sein sollten für die inhaltliche wie praktische Ausgestaltung des Studiums.

Als ausgesprochen positiv wird die geplante Verzahnung von Theorie und Praxis auch vom Deutschen Hebammenverband bewertet. So sagt Yvonne Bovermann, dass die geplante Ausbildung zum „Erfolgsmodell“ werden könne. Skeptisch bezüglich einer Akademisierung des Hebammenberufs ist der GKV- Spitzenverband. So sagt Stefan Weiß, aus Untersuchungen wisse man, dass etwa in Bayern rund ein Drittel der Hebammen die Zugangsvoraussetzungen für ein Studium nicht erfüllten. Es bestehe die Gefahr, dass akademisch qualifizierte Hebammen sich künftig auf die Geburtshilfe konzentrieren könnten und eine Lücke bei der Wochenbettbetreuung entstehe. Daher schlage sein Verband einen Ausbildungsberuf der Mütterpflegekraft vor.

Der Sachverständige Frank Louwen von der Uniklinik Frankfurt am Main spricht sich für „eine Akademisierung mit Augenmaß“ aus – man dürfe den Schülerinnen den Weg an die Schulen nicht versperren. Aktuell gebe es in fünf Bundesländern keine Möglichkeit für dieses Studium. Es spreche nichts dagegen, dass eine Hebamme mit 40.000 Praxisstunden in ein weiterführendes Studium gehe.

Die Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft hält es für sinnvoll, wenn die Lehrerinnen der Hebammenschulen zukünftig an die Hochschulen gehen.

 

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