Berlin/Singen (pag) – Digitalisierung ist das Lieblingsthema von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Aktuell hat der Bundestag in erster Lesung das Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) behandelt. Die Landesgruppe Baden-Württemberg des NAV-Virchow-Bundes sieht den Hype allerdings skeptisch.

Bei der regionalen Jahreshauptversammlung in Singen warnt die Landesgruppenvorsitzende Dr. Brigitte Szaszi: „Die Digitalisierung wird geradezu frenetisch als Heilsbringer unseres Gesundheitssystems gefeiert.“ Digitalisierung bedeute aber nicht zwangsläufig eine bessere medizinische Betreuung der Patienten. Gute Medizin basiere auf einer ausgezeichneten Aus- und Weiterbildung, einer gründlichen Untersuchung, Erfahrungswerten, einer von Empathie getragenen Kommunikation zwischen Arzt und Patient sowie einem Zeit und Aufwand gerecht werdenden Austausch der verschiedenen Fachgruppen, führt sie aus. Digitalisierung müsse zum Ziel haben, dass mehr Zeit bleibt für das ärztliche Gespräch. Szaszi: „Wir wollen nicht noch mehr Zeit am Computer verbringen.“

Bei der Plenardebatte zum DVG fasst Tino Sorge (CDU) die wesentlichen Inhalte des Gesetzes wie folgt zusammen: Gesundheits-Apps auf Rezept, Ausbau der Telematikinfrastruktur, mehr Videosprechstunden, mehr Telemedizin. „Wir wollen damit weniger Zettelwirtschaft. Es wird ein Abschied vom Faxgerät sein.“ Er verspricht außerdem, dass die elektronische Patientenakte, die ePA, zum Laufen gebracht werde. Und weiter: „Wir wollen die Trillionen von Bytes an Daten, die jeden Tag anfallen, diese wertvollen Daten nutzbar machen für eine Verbesserung der Patientenversorgung.“

Doch es gibt auch kritische Stimmen zu dem geplanten Gesetz. SPD-Gesundheitspolitiker Dirk Heidenblut moniert die Freigabe von Gesundheits-Apps durch die Krankenkassen: „Gerade therapieunterstützende Apps müssen zwingend vom behandelnden Arzt oder Psychotherapeuten verordnet werden. Dass das allein die Krankenkassen entscheiden sollen, lehne ich ab.“

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