Gütersloh/Berlin (pag) – Ambulante und ambulant erbringbare Leistungen von Arztpraxen und Krankenhäusern sollen in einem eigenen Bereich einheitlich vergütet werden. Das empfiehlt eine Studie der Gesundheitsökonomen Dr. Anke Walendzik und von der Universität Duisburg-Essen im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.

Prof. Jürgen Wasem © pag, Fiolka
Prof. Jürgen Wasem © pag, Fiolka

Die Autoren plädieren für eine Reform: In einem eigenen „ambulanten“ Bereich werden Arztpraxen und Krankenhäuser entweder nach Einzelleistungen oder nach indikationsbasierten Pauschalen vergütet. Die Kalkulation der Gebührenordnungspositionen soll ein fusioniertes Vergütungsinstitut übernehmen, heißt es in der Untersuchung „Vergütung ambulanter und ambulant erbringbarer Leistungen“. Walendzik und Wasem stellen die Frage voran, wie sich „im Zuge der zunehmenden und versorgungspolitisch gewünschten Ambulantisierung der Medizin Leistungen, die sowohl im Krankenhaus als auch im niedergelassenen Bereich erbracht werden, angemessen und leistungsgerecht vergüten“ lassen. Sie favorisieren zudem ein neues Vergütungssystem – unabhängig davon, ob der Patient gesetzlich oder privat versichert ist. Eine vollständige Angleichung sei nur mit einer grundlegenden Reform des Krankenversicherungssystems machbar, so die Verfasser.

Der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) lehnt diesen Vorschlag ab. Er wolle weder einer „Einheitsgebührenordnung“ noch eine Bürgerversicherung. Die Zufriedenheit der Bürger mit ihrer medizinischen Versorgung erreiche Spitzenwerte. „Da gibt es keine Veranlassung für Radikaloperationen an unserem Gesundheitssystem“, sagt Florian Reuther, Direktor des PKV-Verbandes. Gegen eine Vereinheitlichung der Vergütungssysteme ist auch der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa). Vorstandsmitglied Dr. Hans-Friedrich Spieß sagt außerdem: „Heute bestimmt immer öfter der Zustand des Patienten und nicht die Leistung an sich, ob der Patient ambulant oder stationär behandelt wird. Dem muss die Ordnungspolitik der Zukunft Rechnung tragen und die derzeit gültigen gesetzlichen Vorgaben neu ordnen.“

Hier geht es zur Studie:

https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/VV_Verguetung_final.pdf

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