Berlin (pag) – Medizinerverbände und Kliniken befürchteten zuletzt, dass die Quarantäne-Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) den Krankenhaus-Betrieb lahmlegen könnten. Nun reagiert das RKI und passt seine Regeln für medizinisches Personal an – allerdings nur für Ausnahmefälle.

Bislang galt: Medizinisches Personal, das bei einer Behandlung ohne Schutzausrüstung Kontakt mit einem Covid-19-Patienten hatte, soll sich wie alle anderen Kontaktpersonen der 1. Kategorie in eine 14-tägige häusliche Isolation begeben.

Klinikbetreiber und medizinische Fachgesellschaften kritisierten die Empfehlungen des RKI zuletzt als wenig praktikabel. Manche Kliniken entwickelten bereits abweichende Regeln für ihre Mitarbeiter, um zu verhindern, dass infolge einer Infektion ganze Stationen lahmgelegt werden.

Das RKI reagiert nun auf die Kritik und modifiziert seine Empfehlungen, damit „die Balance zwischen Praktikabilität und Patientenschutz gewahrt“ bleibe, so RKI-Präsident Prof. Lothar H. Wieler. Allerdings sollten die neu gefassten Optionen „nur in Situationen zur Anwendung kommen, in denen ein relevanter Personalmangel vorliegt und andere Maßnahmen zur Sicherstellung einer angemessenen Personalbesetzung ausgeschöpft sind“, heißt es auf der Webseite des Instituts.

Medizinisches Personal mit hohem Expositionsrisiko, also direktem Kontakt mit Sekreten oder Aerosolen, könne demnach die Quarantänezeit von 14 auf sieben Tage herabsetzen und anschließend mit Mund-Nasen-Schutz arbeiten, sofern keine Krankheitssymptome bestehen. Alternativ käme auch die ausschließliche Behandlung von Covid-19-Patienten infrage. Im Fall eines begrenzten Expositionsrisikos, also einem Face-to-face-Kontakt über mindestens 15 Minuten, könne die häusliche Isolierung bei ausbleibenden Symptomen sogar vollständig entfallen. Allerdings empfiehlt das RKI auch diesen Personen für die darauffolgenden 14 Tage die Arbeit mit Mund-Nasen-Schutz.

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