Berlin (pag) – Das Überwinden der Sektorengrenzen ist ein beherrschendes Thema des Krankenhaustages, die notwendige Digitalisierung ein weiteres. Experten bringen dort unangenehme Wahrheiten zur Sprache.

Prof. Ferdinand Gerlach © pag, Fiolka
Prof. Ferdinand Gerlach © pag, Fiolka

Prof. Ferdinand Gerlach aus dem Sachverständigenrat Gesundheit mahnt in Deutschland als Land der „digital Spätgeborenen“ dringenden Reformbedarf und Beschleunigung der Prozesse an. „Wir haben kein Erkenntnisdefizit, sondern ein Umsetzungsdefizit. Wir stehen in Europa abgeschlagen, ganz weit unten, in den Rankings meistens Vorletzter.“ Bei der Patientenakte habe Deutschland zum Beispiel 15 Jahre Abstand. Digitalisierung allein wird nach Gerlach nicht die Strukturen modernisieren, auch die Binnenorganisation der Krankenhäuser benötige Erneuerung. Er stellt fest: „Deutsche sind sehr arrogant. Wir führen erst ein, wenn wir hundertprozentig sicher sind, dass alles funktioniert.“ Im Ergebnis werde heute mit veralteter Technik gearbeitet.

Der Geschäftsführer der gematik, Dr. Markus Leyck Dieken, gibt bei dem Kongress einen Einblick in die Arbeit seiner Gesellschaft. Die gematik verwende nun endlich internationale Standards in ihrer Programmierung. Bislang habe sie „in Sütterlin“ gearbeitet, so dass sich die Technik nicht mit anderen Systemen in Europa austauschen konnte.
In (Zweck-)Optimismus übt sich Sebastian Zilch, der die Unterabteilung für gematik, Telematikinfrastruktur und eHealth im Bundesgesundheitsministerium leitet. „Wir glauben immer noch, dass wir den Koalitionsvertrag umsetzen“, sagt er und wünscht sich, bis 2030 einen Kulturwandel geschafft zu haben. Dann rede man wirklich über die aktiven Anwendungen und die Akteure stritten sich darüber, wer zuerst in die Anwendung gehen darf.

Aufbruchstimmung wird auch bezüglich der Sektorengrenzen beim Krankenhaustag verbreitet. „Wir sind überzeugt, dass wir die strikte Trennung der Sektoren überwinden müssen, um die Strukturen zu modernisieren“, meint Ingo Morell, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Sein Credo lautet: „Ambulantisierung ja, aber nicht in Konkurrenz zu den niedergelassenen Ärzten.“

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