Berlin (pag) – Sie soll eine wichtige Grundlage für den Fachdialog bieten: die vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) geförderte Studie „Chancen und Risiken von Gesundheits-Apps – CHARISMHA“. Erarbeitet hat sie ein Autorenteam vom Peter L. Reichertz Institut für medizinische Informatik der Technischen Universität Braunschweig und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).

„Für viele sind Apps heute schon ein Ansporn, sich mehr zu bewegen, sich gesünder zu ernähren – und sie unterstützen z. B. auch ‎bei der regelmäßigen Einnahme von Medikamenten“, sagt Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe. Doch bei mehr als 100.000 Gesundheits-Apps sei es für Bürger, aber auch für Ärzte schwer, zwischen guten und schlechten Angeboten zu unterscheiden. „Nötig sind klare Qualitäts- und Sicherheitsstandards für Patienten, medizinisches Personal und App-Hersteller“, betont der Minister. „Gleichzeitig müssen wir dafür sorgen, dass Produkte, die einen wirklichen Nutzen für Patienten bringen, schnell in die Versorgung gelangen.“ Auf den Erkenntnissen der Studie aufbauend soll nun ein Fachdialog mit Experten und Verantwortlichen im Gesundheitswesen beginnen. 

Ein Ergebnis der Marktanalyse ist, dass nur wenige Angebote mit diagnostischem oder therapeutischem Anspruch existierten. Außerdem gebe es nur einzelne Hinweise darauf, dass Apps eine positive Auswirkung auf die körperliche Aktivität, die Ernährung und die Gewichtskontrolle haben. Umfassende Belege für den Nutzen fehlten. Die Studie plädiert dafür, mehr Evidenz zu schaffen. Zudem müsse die ethische Diskussion zur Abwägung von Privatheit und Transparenz sowie zu Autonomie und Kontrolle vertieft werden. Die Autoren um Studienleiter Dr. Urs-Vito Albrecht kritisieren, dass Gesundheits-Apps die datenschutzrechtlichen Anforderungen häufig nicht einhielten. Als schwierig erweise sich außerdem abzugrenzen, welche Apps dem Medizinprodukterecht unterliegen und welche nicht.

Das BMG weist darauf hin, dass mit dem E-Health-Gesetz digitale Anwendungen, die die Versorgung verbessern, auch von den Kassen erstattet werden sollen. Um zu klaren Regeln für Nutzennachweise und Kostenerstattung zu kommen, soll der Dialog zwischen Herstellern und Krankenkassen im Rahmen der E-Health-Initiative des BMG gestärkt werden. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat bereits für App-Entwickler eine Orientierungshilfe für die Zulassung von „Medical Apps“ erarbeitet. Die Behörde soll zu einer zentralen Anlaufstelle für Gründer und App-Entwickler in Deutschland werden.

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