Die Tatsache, dass Gedächtnis- und Entscheidungshilfen in anderen soziotechnischen Systemen wie beispielsweise der zivilen Luftfahrt das Notfallmanagement der beiteiligten Personen so effektiv unterstützen können, liegt neben den grundlegenden Unterschieden zwischnen technischen (komplizierten) und biologischen (komplexen) Systemen vor allem in der Tatsache begründet, dass die Arbeit mit Notfallchecklisten fester Bestandteil der berufsspezifischen Sozialisation ist: Ab dem ersten Tag als Flugschüler findet eine intensive Auseinandersetzung und Schulung mit den verschiedenen Formen von Checklisten statt. Sowohl die individuelle Entscheidungsfindung als auch die Koordination der Teamarbeit gründen auf der Vertrautheit mit den relevanten Checklisten. Notfallchecklisten sind eine soziokulturelle Selbstverständlichkeit geworden.

Aus diesen positiven Erfahrungen und den dafür verantwortlichen Rahmenbedingungen kann für die Anästhesiologie die Schlussfolgerung gezogen werden, dass der isolierte Einsatz von eGENA durch einzelne Personen zu keiner relevanten Veränderung des Notfallmanagments und der Sicherheitskultur in anästhesiologischen Abteilungen und Kliniken führen wird. Möglicherweise wird die Verwendung von eGENA durch Einzelpersonen sogar eher als disruptives Moment in einem über Jahrzehnte etablierten Prozess der Notfallversorgung wahrgenommen.

Die Wahrscheinlichkeit für die erfolgreiche Implementierung von eGENA in bisherige Prozesse der Notfallversorgung wird wahrscheinlicher, wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Ärzteschaft und Pflege

  • sich  gedanklich mit dem (neuartigen) Konzept der Unterstützung durch eine Gedächtnis- und Entscheidungshilfe auseinandergesetzt haben 
  • sich mit der Struktur und Funktionalität von eGENA vertraut gemacht haben
  • die Anwendung im Team (z.B. im Rahmen von Simulationsszenarien) geübt haben.

Aus den genannten Gründen empfiehlt die Arbeitsgruppe allen interessierten Abteilungen und Kliniken, die Einführung  von eGENA explizit und nach vorheriger Schulung der Mitarbeiter durchzuführen. Von der Strategie, lediglich auf die Möglichkeit zum Download von eGENA zu verweisen und zu hoffen, dass sich die Anwendung schon irgendwie durchsetzen wird, wird ausdrücklich abgeraten. Ohne strukturierte Einführung wird die Anwendung von eGENA wahrscheinlich von den Nutzern nicht akzeptiert werden und eine Veränderung der Sicherheitskultur ausbleiben (1). 

 

Unterrichtsmodule

Der Arbeitsgruppe ist bewusst, dass es vielen Kliniken nicht möglich sein wird, Mitarbeiter zu zentralen Schulungsangeboten zu schicken oder selbst entsprechende Tagesveranstaltungen anzubieten. Aus diesem Grund wurde parallel zur Gestaltung von eGENA ein Schulungskonzept entwickelt, welches in drei Module aufgeteilt in jeder Klinik eingesetzt werden kann.

  • Modul I: Team Resource Management/Crew Resource Management.
  • Modul II: Einsatz von ‚Gedächtnis- und Entscheidungshilfen’ in der Anästhesiologie.
  • Modul III: Einführung in die Verwendung von eGENA.

Modul I und Modul II können als Grundlagenmodule fakultativ eingesetzt werden. Hilfreich wäre es jedoch, vor der Einführung von eGENA Mythen und Fehleinschätzungen hinsichtlich der Verwendung von Gedächtnis- und Entscheidungshilfen zu thematisieren (z.B. Checklisten werden nur von Anfängern benötigt, Erfahrene benötigen kein externes Korrektiv u.ä.). Ebenso zahlt es sich aus, auf Bedenken von zukünftigen Nutzern einzugehen (2). All diese Aspekte sind Teil des Moduls II.

Modul III hingegen sollte vor der lokalen Einführung von eGENA unbedingt angeboten werden. Eine strukturierte Einführung von eGENA in eine Klinik ermöglicht es dem Anwender die App in einem sicheren „Lernraum“ auszuprobieren und erhöht durch die Gewöhnung an die Philosophie und die Bedienung sowohl die Effektivität des Einsatzes als auch die Einsatzfrequenz (3).

Die Module zur Schulung von eGENA sind neben dem Download als Präsentationen auch als Videovorträge (sogenannte Screencasts) bereitgestellt. Gerne können sie die Vortragsvideos in ihre eigenen eLearning-Portale oder Dokumentenmanagement-Systeme einbinden.

 

Modul I: Team Resource Management

Da Gedächtnis- und Entscheidungshilfen die Teamarbeit im Notfall unterstützen soll, behandelt Modul I grundlegende Aspekte der Entscheidungsfindung, Teamarbeit und des Ressourcenmanagement. Da hierfür im deutschsprachigen Raum sowohl der Begriff des Team Ressource Management (TRM) als auch des Crew bzw. Crisis Ressource Management (CRM) Verwendung finden, können Folien mit der bevorzugten Bezeichnung heruntergeladen werden. Die Unterlagen sind primär für diejenigen Abteilungen und Kliniken gedacht, bei denen die genannten Konzepte neu oder relativ unbekannt sind. Sollte TRM oder CRM bereits in ihrer Klinik etabiert sein, können sie für Modul I selbstverständlich auch ihre eigenen Schulungsunterlagen verwenden.

Vortragsfolien (*.pptx)

  • Foliensatz
  • Moderationsnotizen

Erstellungsdatum:

02.07.2020

 Folien als 'Team Ressource Management' (TRM)

 Folien als 'Crew Ressource Management' (CRM)

Vortragsfolien (*.pdf)

Erstellungdatum: 

02.07.2020

 Folien als 'Team Ressource Management' (TRM)

 Folien als 'Crew Ressource Management' (CRM)

Screencast

'Team Ressource Management'

Erstellungsdatum:  Screencast TRM

 

 

Modul II: Einsatz von ‚Gedächtnis- und Entscheidungshilfen’ in der Anästhesiologie

Das Modul beinhaltet grundlegende Informationen zum Einfluss von Stress auf menschliches Urteilen und Handeln und zu den Grenzen menschlicher Kognition. Der Unterschied zwischen technischen und biologischen Systemen wird erläutert und es wird erklärt, warum auch im medizinischen Kontext die Einführung und die Anwendung einer Gedächtnis- und Entscheidungshilfe sinnvoll ist.

Die Modul II zugrundeliegende Information wurde als Übersichtsartikel in der Zeitschrift Anästhesie & Intensivmedizin veröffentlicht (4).

Vortragsfolien (*.pptx)

  • Foliensatz
  • Moderationsnotizen

Erstellungsdatum:

02.07.2020

 Gedächtnis- und Entscheidungshilfen

Vortragsfolien (*.pdf)

Erstellungdatum: 

02.07.2020 

 Gedächtnis- und Entscheidungshilfen

Screencast

Erstellungsdatum:  Screencast Gedächtnis- und Entscheidungshilfen

 

 

Modul III: Einführung in die Anwendung von eGENA

Das dritte Modul bietet eine videobasierte Einführung in die Bedienung von eGENA. Zusätzlich finden Sie hier eine Bedienungsanleitung der eGENA App und für den eGENA Editor.

Weiterhin finden die im Modul III Beispielszenarien und Debriefinghinweise um eGENA auch in Simulationsumgebungen einzuführen. Selbstverständlich können sie auch eigene Szenarien verwenden und in ihren Trainings die eGENA App einsetzen.

Steht ihnen keine Simulationsumgebung zur Verfügung, können sie im Modul III für ein „Mockup-Training“ Vortragsfolien und Arbeitsanweisungen finden, um mit ihren Kollegen die Funktionalität von eGENA in interaktiven Schulungen zu erarbeiten.

 

Screencast zur Bedienung der eGENA Erstellungsdatum: Bedienung der eGENA App

Training im Rahmen von Simulationsszenarien  

  • Beispielszenarien
  • Debriefing-Hinweise

Erstellungsdatum:

02.07.2020

 Szenario 1 LAE im Aufwachraum

 Szenario 2 LAE im OP

 Szenario 3 MH DD Hitzschlag

 

Training ohne Simulationsszenarien

  • Mockup-Training

Erstellungdatum:

02.07.2020 

 MockUp Fall 1

 MockUp Fall 2

 MockUp Fall 3

Bedienungsanleitung der eGENA

Erstellungsdatum:

 

 Link 

Bedienungsanleitung des eGENA-Editors

(nur für registrierte Benutzer)

Erstellungsdatum:

15.07.2020 

Bedienungsanleitung Platzhalter-Editor

 

 

 

  1. Goldhaber-Fiebert SN, Pollock J, Howard SK, Bereknyei Merrell S. Emergency Manual Uses During Actual Critical Events and Changes in Safety Culture From the Perspective of Anesthesia Residents: A Pilot Study. Anesth Analg. 2016;123(3):641-9.
  2. Grigg E. Smarter Clinical Checklists: How to Minimize Checklist Fatigue and Maximize Clinician Performance. Anesth Analg. 2015;121(2):570-3.
  3. Schild S, Sedlmayr B, Schumacher AK, Sedlmayr M, Prokosch HU, St.Pierre M. A Digital Cognitive Aid for Anesthesia to Support Intraoperative Crisis Management: Results of the User-Centered Design Process. JMIR Mhealth Uhealth. 2019;7(4):e13226.   
  4. Eismann H, Schild S, Neuhaus C, Baus J, Happel O, Heller AR, Richter T, Weinert M, Sedlmayr B, Sedlmayr M, St.Pierre M. Gedächtnis- und Entscheidungshilfen für Notfälle in der Anästhesiologie: Theoretische Grundlagen und Erfahrungen. Anästh Intensivmed 2020, 61.